IHK-Umfrage: „Die Unternehmen trauen dem Braten nicht mehr“

IHK-Zweigstellenleiter Karl-Ernst Hunting und die IHK-Vollversammlungsmitglieder Daniela Drabert und Dr. Georg Böcker (v. l.) stellten in den neuen Geschäftsräumen der Industrie- und Handelskammer am Simeonsplatz in Minden die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage vor. Foto: Pressebüro Amtage
IHK-Zweigstellenleiter Karl-Ernst Hunting und die IHK-Vollversammlungsmitglieder Daniela Drabert und Dr. Georg Böcker (v. l.) stellten in den neuen Geschäftsräumen der Industrie- und Handelskammer am Simeonsplatz in Minden die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage vor. Foto: Pressebüro Amtage

Minden (MiX). „Die Lage ist so gut wie noch nie. Aber die Unternehmen trauen dem Braten nicht mehr.“

Dr. Georg Böcker, Mitglied der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer (IHK) und Chef des Unternehmens Ernst Böcker Sauerteig in Minden, fasste die aktuelle Wirtschaftssituation im Mühlenkreis gestern mit wenigen Worten zusammen. Gemeinsam mit der geschäftsführenden Gesellschafterin des Textilhauses Hagemeyer, Daniela Drabert, und dem Mindener IHK-Zweigstellenleiter Karl-Ernst Hunting stellte er die Ergebnisse der aktuellen Herbstumfrage der Handelskammer vor. Dabei wurde deutlich: „Wir haben eine starke Konjunktur, aber es herrscht weniger Optimismus.“

272 Unternehmen mit insgesamt rund 24.000 Beschäftigten in Industrie, Handel und Dienstleistung hatten sich in den vergangenen drei Monaten an der traditionellen IHK-Umfrage beteiligt, die jeweils im Frühjahr und im Herbst durchgeführt wird. Unter dem Eindruck von Diskussionen über Dieselfahrverbote, den Auseinandersetzungen in der Großen Koalition, schwierigen Brexit-Verhandlungen, der Amtsführung von US-Präsident Donald Trump und damit verbundenen Strafzöllen habe diese Erhebung gestanden, erinnerte Böcker. So verzeichnet die IHK einen deutlichen Rückgang beim sogenannten Konjunkturklimaindikator, der die Stimmung in der Wirtschaft in einem Zahlenwert abbildet. Von 150 im Frühjahr ist dieser Indikator auf 128 gefallen. Dem niedrigsten Wert seit Herbst 2015.

Konjunkturnavigator der IHK rutscht in Feld Abkühlung

Und auch der Konjunkturnavigator, der ebenfalls über alle Branchen greift und die Stimmung in die vier Felder Belebung, Aufschwung, Abschwung und Abkühlung aufteilt, rutscht aktuell in das Feld Abkühlung. Zuletzt gab es das in noch stärkerem Maße im Frühjahr 2009, worauf sich damals sogar zum Herbst ein Abschwung im Stimmungsbild ergab.

Die seit mehr als sieben Jahren guten Umfrageergebnisse im Mühlenkreis bekämen aktuell einen leichten Dämpfer, erläuterten Georg Böcker und Daniela Drabert. Das liege an den spürbar nachlassenden Aussichten für die Zukunft. Dabei ist diese Gefühlslage in den großen Industrieunternehmen stärker vertreten als in der übrigen gewerblichen Wirtschaft. So müsse besonders der Außenhandel wieder auf den Pfad der Kooperation statt Konfrontation und Protektionismus zurückkehren, betonten die beiden IHK-Vollversammlungsmitglieder. Deutlich wird diese Forderung angesichts der Exportquote im Minden-Lübbecker Land, die im vergangenen Jahr bei 38,9 Prozent und damit über dem Wert von 38,2 Prozent in Ostwestfalen lag.

Die heimische Wirtschaft, die ihre umsatzstärksten Unternehmen in den Bereichen Maschinenbau, Nahrungs- und Futtermittel sowie Papier- und Pappe-Produktion hat, blickt aber auch verstärkt nach Berlin. Statt um wahltaktische Manöver und Personaldiskussionen müsse sich die Politik wieder verstärkt der inhaltlichen Arbeit widmen. Insbesondere im wirtschaftspolitischen Bereich. Böcker warnte zudem ausdrücklich vor der Verfestigung einer Meinungskultur in der Gesellschaft, die Zugewanderte ablehne. Diese Warnung wird vor allem auch vor dem Hintergrund des akuten Fachkräftemangels in nahezu allen Branchen gesehen.

Der Blick ins Detail zeigt bei der Herbstumfrage der IHK, dass die Unternehmen in allen drei Sektoren ihre Geschäftslage noch außergewöhnlich positiv bewerten. Dagegen sind die Erwartungen bei der Geschäftslage für die kommenden zwölf Monate sehr uneinheitlich. Dienstleistung und Handel blicken sehr beziehungsweise deutlich positiv in die Zukunft. Die Industrie dagegen deutlich negativ. Als Risikofaktoren werden der Fachkräftemangel, die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und die Arbeitskosten gesehen.

IHK fordert Senkung der Gewerbesteuern

So geht bei den Rahmenbedingen der deutliche Appell an die heimischen Kommunen, die Gewerbesteuern zu senken – und nicht, wie im Mühlenkreis in den vergangenen Jahren praktiziert, immer weiter zu erhöhen. Diese Forderung wird von Karl-Ernst Hunting unter anderem damit begründet, dass mehr als ein Drittel der Minden-Lübbecker Unternehmen von fallenden Erträgen ausgingen. „Und Erträge sind in den Unternehmen eine wichtige Grundlage für Investitionen und Innovationen und damit in der Wirkungskette auch für Beschäftigung, Erträge und Steuerzahlungen in den Folgejahren“, so der IHK-Zweigstellenleiter.

Der weitere Blick auf die Ergebnisse der Umfrage macht deutlich, vornehmlich die Industrie rechnet mit einer Beschäftigtenzunahme. Außerdem setzen diese Unternehmen auf erhebliche Kapazitätserweiterungen.

Im Handel seien die Umfragewerte im Vergleich mit den zurückliegenden Jahren zusammengefasst sehr gut ausgefallen, erklärte Daniela Drabert in den neuen Geschäftsräumen der IHK in Minden. So bewerten die Betriebe ihre aktuelle Geschäftslage zu 49 Prozent mit gut, 47 Prozent mit befriedigend und nur vier Prozent mit schlecht. Aber auch hier gibt es Sorgenfalten vor dem Hintergrund des Internethandels. So sprachen sich Drabert und Hunting gestern sehr deutlich für Aktionen wie Verkaufsoffene Sonntage aus, die den Einzelhandel erheblich stärken würden.

Weitgehend positiv wird die Geschäftslage auch im Dienstleistungsbereich gesehen. 49 Prozent sprechen hier von gut, 46 Prozent von befriedigend und fünf Prozent von schlecht.

IHK-Ostwestfalen – Zweigstelle Minden

© Text und Foto: Pressebüro Hans-Jürgen Amtage | Minden

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